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Presse, Südafrika in Deutschland

17. Februar 2012

Diskussions- und Filmabend in der Heinrich-Böll-Stiftung 22.2.2012

Grenzen der Versöhnung in Südafrika
Die Politik des ANC und der Ruf nach einem neuen Gesellschaftsvertrag 


22. Februar 2012, 19.00 – 21.30 Uhr
Heinrich-Böll-Stiftung, Beletage, Schumannstraße 8, 10117 Berlin

Diskussion und anschließende Filmvorführung

2012 feiert der African National Congress seinen 100jährigen Geburtstag und erinnert das Land und den Rest der Welt an seine Erfolge. Der ANC wird gepriesen, die Apartheid wegverhandelt und den friedlichen Übergang von einem Minderheitsregime zu einem freien und demokratischen Südafrika gemeistert zu haben. Das Ende der Apartheid bedeutete die historische Chance, die Nation aus einer tief gespaltenen, von Konflikt, Menschenrechtsverletzungen und Ungerechtigkeit gekennzeichneten Vergangenheit in ein „besseres Leben für alle” zu führen.

Um dieser Herausforderung gerecht zu werden, musste das Land Wege finden, mit der traumatischen Vergangenheit umzugehen: Basierend auf der Interim-Verfassung von 1993 richtete die Regierung der Nationalen Einheit eine Wahrheits- und Versöhnungskommission („Truth and Reconciliation Commission“/TRC) ein. Das Mandat war klar begrenzt: Die TRC sollte gegen grobe Menschenrechtsverletzungen ermitteln. Die strukturelle Diskriminierung der Apartheid wurde nicht behandelt.

In vieler Hinsicht scheint die Arbeit der TRC und der südafrikanischen Regierung unvollendet. Die Transformation hat viele Südafrikaner auf dem Weg zu Wohlstand, Freiheit oder Gleichberechtigung zurückgelassen. Extreme Armut, mangelhafte Bildung und Arbeitslosigkeit treffen weiterhin vor allem die junge schwarze Bevölkerung in den Townships und in den ländlichen Gebieten. 
Die Diskussion geht folgenden Fragen nach: Hat Versöhnung einen Endpunkt? Was muss noch getan werden, um das Erbe der Apartheid aufzuarbeiten? Ist der ANC mit seinen internen Machtkämpfen und seinen ungehaltenen Versprechungen in der Lage, mit der wachsenden sozialen Unzufriedenheit umzugehen? Ist alles nur eine Frage von Wirtschaftspolitik oder bedarf es eines neuen Gesellschaftsvertrags? 

Diese und andere Fragen wollen wir mit unserem Gast besprechen:

Prof. Charles Villa-Vicencio, ehemaliger nationaler Forschungsdirektor der südafrikanischen Wahrheits- und Versöhnungskommission; Gründer und Senior Research Fellow am Institute for Justice and Reconciliation (IJR), Kapstadt, Südafrika; und Gastprofessor im Programm für Konfliktlösung der Georgetown University in Washington DC.

Renate Wilke-Launer, freie Journalistin, Südafrika-Expertin und Herausgeberin von “Südafrika: Katerstimmung am Kap” wird die Diskussion leiten.


DOKUMENTARFILM „REWIND“ VON LIZA KEY 
Im Anschluss an die Diskussion zeigen wir den Dokumentarfilm “Rewind” von Liza Key (57 Min.) über die gleichnamige Kantate von Philip Miller. Das einzigartige Werk wurde zum zehnjährigen Jubiläum der Wahrheits- und Versöhnungskommission komponiert. Es enthält Originaltonaufnahmen von Anhörungen der Kommission.

Sprache: 
Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Englisch mit Simultanübersetzung statt. 

Kontakt und Information: 
Samuel Dansette, Referat Afrika, Heinrich-Böll-Stiftung
T 030 285 34 -343, E dansette@boell.de
Eintritt frei, Anmeldung nicht erforderlich



VERANSTALTUNGSREIHE „TRANSITIONAL JUSTICE IN AFRIKA“ 
Die Diskussion ist Teil der Veranstaltungsreihe „Transitional Justice in Afrika“, in der die Heinrich-Böll-Stiftung Erfahrungen mit den verschiedenen Mechanismen der Vergangenheitsbewältigung debattieren und aktuelle Entwicklungen begleiten will. Anhand von Länderbeispielen werden die Herausforderungen der Übergangsjustiz in Postkonfliktsituationen behandelt. 

(This document is available in English on the Heinrich Böll Website)

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